Demenz-Netzwerk Köln-Mülheim

2017 nahm im Stadtbezirk Köln-Mülheim die Gründung eines „Demenz-Netzwerks“ Fahrt auf. Seitdem feilt eine mehrköpfige „Steuerungsgruppe“ an einem Konzept, das auf die Fragestellungen, Bedürfnisse und Möglichkeiten des Stadtbezirks optimal zugeschnitten ist. Folgende Ziele des Demenz-Netzwerks haben sich bislang herauskristallisiert. Sie sind im Entwurf eines Konzeptes nachzulesen und können jederzeit ergänzt und optimiert werden (Bitte bei Interesse anklicken: Konzept DNW Mülheim 08-18)

  1. Das Demenz-Netzwerk Mülheim (DNM) will Menschen mit Demenz und deren Angehörigen einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfe- und Entlastungsmöglichkeiten schaffen.
  2. Das DNM will Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz fördern.
  3. Das DNW will über das Thema Demenz aufklären.
  4. Das NNM will Akteure vernetzen, die mit dem Thema Demenz befasst sind.
  5. Das DNM will soziale Kontakte fördern für Menschen mit Demenz und deren Angehörige
  6. Das DNM will Hilfe- und Entlastungsangebote bekannter machen .
  7. Das DNM will das Thema Demenz enttabuisieren.
  8. Das DNM will ein „Demenz-freundliches Klima“ im Stadtbezirk Mülheim schaffen, z.B. indem es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Supermärkten, Bäckereien, Frisörsalons, Kiosken usw. über Demenz informiert und im Umgang mit den Betroffenen schult.
  9. Das DNM will Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen mit Demenz und nicht erkrankten Menschen fördern.
  10. Das DNM will demenzbezogene Veranstaltungen planen und durchführen.
17.10.2017 Treffen Der der „Steuerungsgruppe“ des in der Gründungsphase befindlichen Demenz-Netzwerks Mülheim. Von links nach rechts: Ulrike Meyer zu Allendorf, Dietmar Saxler, Astrid Näthke, Brunni Beth (sitzend), Claudia Hopfe, Dr. Herbert Mück.

Um die genannten Ziele zu verwirklichen, bieten sich z.B. folgende Maßnahmen an:

  • zwei- bis viermal jährlich stattfindende Informationsveranstaltungen
  • Kontakte zu Kindertagesstätten, Schulen und Bildungseinrichtungen im Stadtbezirk
  • Ausbau der Café- und Gruppenangebote für Demenzbetroffene
  • Schulungsangebote für Interessierte im Quartier
  • Entwicklung demenzgerechter Angebote im Quartier, wie etwa Spaziergänge für Menschen mit und ohne Demenz, Aufbau einer Kegelgruppe für Demenzbetroffene, Bewegungsangebote für Menschen mit Demenz (z.B. in Kooperation mit Vereinen)
  • Förderung „demenzfreundlicher Geschäfte“ z.B. durch die Entwicklung eines Labels
  • Kontakte zu Kirchengemeinden im Sinne einer „demenzfreundlichen Kirche

Auf ihrer Konferenz am 20. März 2018 beschloss die Steuerungsgruppe, als nächstes sich nach Erfahrungen existierender Demenz-Netzwerke zu erkundigen und dann alle potenziellen Netzwerkpartner an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam folgendes zu überlegen: Was kann und soll ein Mülheimer Demenznetzwerk leisten? Welchen Nutzen kann ein solches Netzwerk für demenzkranke Menschen im Stadtbezirk und ebenso für die Netzwerkpartner leisten? Was können die einzelnen Netzwerkpartner individuell dazu beitragen, um ein dauerhaft lebendiges und für alle Beteiligten hilfreiches Netzwerk zu gewährleisten.

Teilnehmer der Steuerungsgruppe am 20.03.2018 von links: Astrid Näthke, Elke Strauß, Ulrike Meyer zu Allendorf, Claudia Hopfe, Dr. Herbert Mück

Bis Ende März lag die Geschäftsführung des Projekts „Gründung eines Mülheimer Demenznetzwerks“ in Händen von Frau Astrid Näthke (SenioAss). Sie wurde im Mai 2018 abgelöst von Frau Elke Strauß. Weitere ständige Mitglieder sind  Frau Ulrike Meyer zu AllendorfFrau Claudia Hopfe, Frau Brunni Beth , Herr Dietmar Saxler und Seniorenvertreter Dr. Herbert Mück. 

Gute Erfahrungen mit einem Demenz-Netzwerk hat man in Köln schon seit einiger Zeit in Porz gesammelt. Entsprechende Informationen finden Sie hier: http://demenznetz-porz.de/

Bei ihrem Treffen am 09.05.2018 ließ sich die Steuerungsgruppe von einer Demenz-Netzwerkerin aus Portz über die dortigen Erfahrungen mit einem Netzwerk informieren. Dabei kristallisierten sich in der Diskussion folgende Punkte heraus:

  • Sich gegenseitig zu kennen, dadurch Informationswege verkürzen und sich leichter gegenseitig unterstützen zu können, ist vermutlich das am meisten motivierende Element, an einem Demenz-Netzwerk mitzuwirken.
  • Am ehesten werden sich Personen in einem solchen Netzwerk engagieren, die dies während ihrer bezahlten Arbeitszeit bei einem Träger tun können, der diesbezüglich seinen Mitarbeitern Freiräume gewährt. Freiberufler erleiden dagegen während der durchweg unbezahlten Tätigkeiten im Demenz-Netzwerk Einkommensverluste. Sie werden nur dann mitmachen, wenn für sie aus dem Mitwirken ein ausreichend großer Nutzen erwächst.
  • Mitwirkende, denen Netzwerk-Treffen nur der eigenen Profilierung dienen, stören und sind unerwünscht. Eine ausreichende Effektivität der Treffen muss gewährleistet sein.
  • Netzwerke, die „von oben“ ins Leben gerufen und gesteuert werden, funktionieren anders und haben eine andere Attraktivität als Netzwerke, die sich „von unten“ aufgrund einer eigenen Dynamik bilden.
  • Wenn eine Demenz-Netzwerk-Website von einem einzelnen Netzwerk-Mitglied mit erkennbar eigenem Sondernutzen für das Mitglied betrieben wird, findet dies bei den anderen Mitgliedern wenig Resonanz und wirkt eher demotivierend. Auch stellt sich die Frage, was mit einer solchen Website geschieht, wenn das Mitglied, das die Website betreibt und pflegt, seine Aktivitäten einstellt.
  • Wenn ein Netzwerk-Mitglied einen „Kunden“ zu einem anderen Netzwerk-Mitglied weiterleitet, weiß das andere Mitglied, dass der Kunde bereits vorinformiert ist und mit großer Wahrscheinlichkeit zu seinem eigenen Angebot passt. Dies ist ein klarer Vorteil der Netzwerk-Arbeit.
  • Netzwerke können vermutlich das Thema Demenz in der Öffentlichkeit besser bekannt machen als ein einzelner Anbieter, der dies alleine versucht.
Der Redaktionsausschuss (Elke Strauß und Seniorenvertreter Dr. Herbert Mück) redigieren das Konzept des Demenz-Netzwerks Mülheim

Am 14.06.2018 traf sich ein kleiner Redaktionsausschuss in den Räumlichkeiten der SBK in Köln-Dellbrück, um das Konzept für das Demenz-Netzwerk Mülheim zu überarbeiten. Unter anderem wurde der Text so angepasst, dass nicht einzelne Mitglieder des Demenz-Netzwerks besonders hervorgehoben werden. Auch wurde das Konzept stringent gegliedert, ein Untertitel formuliert und weitere Ideen eingebracht.

In einer Sitzung der Steuerungsgruppe des Demenz-Netzwerks Mülheim am 16.08.2018 wurde dann das optimierte Netzwerk-Konzept vorgestellt und mit geringen Ergänzungen beschlossen. Zu den Ergänzungen gehörten die Vorhaben, sich kontinuierlich mit anderen Netzwerken auszutauschen und die Arbeit des Netzwerks auch für Forschungsfragen zu öffnen. Außerdem ging es darum, ein „Gesamtnetzwerktreffen“ vorzubereiten. Die Gruppe war sich darin einig, dass Veranstaltungen zielgruppengerecht erfolgen müssen. Dabei gilt es, drei Hauptzielgruppen zu unterscheiden:

  • a) Personen und Einrichtungen, die schon über Erfahrung mit Demenz verfügen („Profis“),
  • b) Personen, Geschäfte und Einrichtigungen, die mit Demenzbetroffenen in Kontakt kommen (Supermärkte, Frisöre, Bäcker, Polizei, Banken usw.), aber für solche Situationen über keine ausreichenden Erfahrungen und Handlungsleitlinien verfügen und
  • c) Demenzbetroffene und deren Angehörige.

In einem ersten Schritt ist nun geplant, speziell der Gruppe „a“ eine Veranstaltung anzubieten. Dieses Treffen soll nicht nur der besseren Vernetzung dienen, sondern auch erfragen, was sich „Demenzerfahrene“ von einem Demenz-Netzwerk wünschen, und eine Veranstaltung für die oben erwähnte Gruppe „b“ vorbereiten. Um „Anregungen“ an Aufgaben, Funktion und Leistungen eines Demenz-Netzwerks zu erfassen, wird ein entsprechendes Formular entworfen und den potenziellen „demenzerfahrenen“ Teilnehmern zugesandt.

Von links: Sigrid Steimel, Gabriele Stotzem, Elke Strauß und Brunni Beth (nicht auf dem Bild: Fotograf Dr. Herbert Mück)

Die Steuerungsgruppe war sich einig, dass es im Stadtbezirk Mülheim nach wie vor zahlreichen Personen, Geschäften und Einrichtigungen, die mit Demenzbetroffenen in Kontakt kommen,  dafür an ausreichenden Erfahrungen fehlt (Mitarbeiter von Supermärkten und Banken, Frisöre, Bäcker, Polizei, usw.). So kann es z.B. in einem Supermarkt zu der Situation kommen, dass ein Demenzbetroffener unbekümmert anfängt, das dort angebotene Obst zu essen. Wie sollen die Mitarbeiter des Geschäftes darauf reagieren? Ähnliches gilt für die Situation in einem Kaufhaus, in dem am Ausgang das Alarmsignal ausgelöst wird, weil ein Demenzbetroffener mit einer unbezahlten Ware das Haus verlassen will. Und noch ein Beispiel: Ein Herr mit beginnender Demenz ist stolz darauf, noch alleine einkaufen zu können. Um sich nicht zu verirren, nimmt er ein Taxi für 500 Meter. „Sauer“ reagiert der Taxifahrer auf diese für ihn wenig ertragreiche Fahrt. Seitdem zweifelt der demenzbetroffene Herr, ob er denn auch für eine so kurze Strecke ein Taxi rufen darf.

Zu den aktuellen Vorhaben der Steuerungsgruppe gehört die Überlegung, ein Logo für das Demenz-Netzwerk Mülheim und ein kleines Hinweisschild für „Demenz-Netzwerk-Partner“ zu entwickeln (z.B. mit der Aufschrift „Ja zur Demenz“). Das Hinweisschild kann dann auf Schaufenstern oder an Eingangstüren befestigt werden. Langfristig soll eine eigene Internetseite eingerichtet werden, wobei es allen Netzwerk-Partnern freigestellt ist, auch auf ihren Websites über das Demenz-Netzwerk Mülheim zu berichten. Momentan geschieht dies bereits auf den Internetseiten der Sozialbetriebe der Stadt Köln und hier auf unserer Plattform (also auf der Website der Mülheimer Seniorenvertreter).